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 Der Sinn des Engelrufs: Fürchtet euch nicht!

Und wenn es Weihnachten nicht gäbe? Das möchte ich mir

einmal kurz vorstellen. Was wäre, wenn es Weihnachten

nicht gäbe? Wenn keine Engel mehr singen würden und  zu

Menschen kämen, die sich fürchten? Wenn keine weihnachtlichen Lieder mehr gesungen würden? Was wäre dann? Das wäre schrecklich für mich.  Weihnachten muss einfach sein. Jedes Jahr wieder. Ich kann gar nicht ohne. Der Engel soll wieder  rufen: Fürchtet euch nicht. Und dabei gibt es so viel zu fürchten.  Die Nachrichten sagen es jeden Tag. Menschen als Bomben,   Menschen als Entführer, Menschen als Opfer. Menschen im   Krankenhaus. Da fürchte ich mich. Ich fürchte so viel. Manchmal mich selber.

Deswegen soll der Engel auch dieses Jahr wieder rufen:

Fürchte dich nicht. Er soll es erst einmal nur zu mir sagen,

ganz persönlich. Mehr soll er nicht tun. Er soll mir nur zeigen,  dass ich nicht alleine bin auf der Welt. Dass Gott nahe ist.  Der Engel soll kommen und mir sagen, dass ich mein Leben  wagen darf. Dass jeder und jede, wie immer es auch sein mag, das Leben wagen darf. Niemand muss sich verkriechen. Niemand muss das Leben einfach nur hinter sich bringen. Es tut  gut, dabei zu sein im Leben, mit anderen zu sein, kleine Geschenke  zu machen oder  zu bekommen. Leben ist mehr als eine Reihe von  Tagen. Leben ist auch verzeihen, zuhören, zusammen zu lachen

und zu weinen, Schmerz auszuhalten. Das alles ist Leben.

Mein Leben. Oder Ihr Leben. Ich kann es wagen, das Leben, auch  wenn es beschädigt oder aus den Fugen geraten ist. Ich kann mehr,

als mich nur fürchten. Ich kann meiner Furcht, die berechtigt ist,  Vertrauen entgegensetzen. Davon spricht der Engel in der Heiligen  Nacht. Alle Jahre wieder. Ohne Weihnachten wäre alles finster.  Ohne Weihnachten wüssten wir nichts von Gott und unserem  Vertrauen zu ihm. Und nichts von der Zukunft der Welt.  Schrecklich wäre das. Mein Leben ist hoffen, wünschen,  mich nach Liebe sehnen. Mein Leben ist auch alles, was mir   misslingt. Ich bin schwach, mache Fehler, tue anderen weh.  So viele Bruchstücke. Ich kann es nicht besser. Da brauche ich Gott. Er soll es gut machen, heil machen. Ich will ihm

vertrauen, dass er das kann.  Und ich mir und anderen verzeihen kann. Weihnachten ist schon der Anfang davon. Darum singe ich gerne Weihnachtslieder, manchmal schon im Sommer.  Christ, der Retter ist da; oder: O du selige Weihnachtszeit.  Mein kleines Leben, meine Angst und die ganze Welt soll  Gott in seine Arme nehmen. Jetzt. Heute. Spätestens in der  Heiligen Nacht. Das ist schon der Anfang von einem guten Ende.

     Gebet

Ewiger, gütiger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, du kennst unsere Ängste vor dem Leben. Du weißt, was wir fürchten. Du verstehst, wie elend wir uns manchmal fühlen dem Leben gegenüber. Wir bringen dir unsere Furcht, unsere Ängste. Aber auch unser Vertrauen. Du, Gott, kannst heil machen, was zerreißt. Du, Gott, kannst verbinden, was  sich getrennt hat. Hilf uns hören, wenn der Engel der Weihnacht zu uns spricht.  Und uns sagt: Fürchte dich nicht. Nimm uns und alles, was uns sorgt,

in deine Arme, Gott. Amen.

Es wünscht Ihnen und Ihren Familien eine frohe und gesegnete  Advents-und Weihnachtszeit

Ihre Pastorin Evelin Franke